25. November 2015

Rosa und ich

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung feiert im Herbst ihr 25-jähriges Bestehen und macht mit mir ein Kurzinterview per Mail für eine Sonderpublikation zum Jubiläum. So ein Gebrauchstext, der in ganz wenigen Zeichen originell und persönlich sein soll – Ihr kennt das vielleicht, man kann das eigentlich kaum richtig machen. Da das Ergebnis ganz in Ordnung (und kurz, aber immer noch zu lang) ist und dabei ein wenig von mir erzählt, kann man es hier nachlesen – bevor das Meiste dann wieder weggekürzt wird.

Kurzinterview 25 Jahre Rosa-Luxemburg-Stiftung (7. September 2015)

1.     Wie bist du zur Stiftung gekommen?
In den 1990er Jahren hatte ich aufgrund meiner Tätigkeiten in linken Bewegungen mehrere politische Strafverfahren. Die Ermittlungen wurden später sämtlich ohne Auflagen eingestellt. Ein Teil meines sehr rührigen Soli-Komitees schnupperte 1998 in die PDS hinein und bat mich, dabei zu sein. Es war damals vieles einfach grauenhaft in der PDS, aber aus diesem Abstecher ergab sich, dass ich ab 1999 den Aufbau der Bremer Landesstiftung betrieb, anfangs rein ehrenamtlich. Die Stiftungsarbeit hat mich (und ein paar andere) letztlich auch in der Linkspartei gehalten.

2.     An welchem Projekt der Stiftung hast du am liebsten gearbeitet?
In 16 Jahren durfte ich an einigen guten Dingen mitwirken. Ab 2013 haben wir als Bremer Landesstiftung eine Einführung in das Thema Drohnenkriege angeboten: „Vom Krieg gegen den Terror zu den Roboterkriegen der Zukunft?“. Der Vortrag wurde sogleich von anderen Landesstiftungen angefragt und deshalb allgemein angeboten. Rege Resonanz, auch von externen VeranstalterInnen, führte zu über dreißig Terminen in knapp zwei Jahren. Eine gelungene bundesweite Kooperation zu einem aktuellen und kontroversen Thema. Besonders befriedigend ist dabei vielleicht die breite Resonanz mit z.T. internationalen Reaktionen – schließlich bekommt man bei einem Bildungsprojekt nicht immer den Eindruck, etwas bewegt zu haben.

3.     Was verbindest du für dich persönlich mit der Person Rosa Luxemburg oder ihrem politischen Vermächtnis?
Zum aktuellen Zeitpunkt bewegen uns weltweit die Bilder toter Flüchtlinge, und von BILD über die ZEIT bis zur Hilforganisation medico international wird Rosa Luxemburg zitiert: „Es gibt aber Leichen, die lauter reden als Posaunen...“ (Im Asyl, 1912 ). Hinzufügen möchte ich den oft fehlenden Schlusssatz: »Nieder mit der infamen Gesellschaftsordnung, die solche Greuel gebiert!«

4.     Wo glaubst du wird die Stiftung in 25 Jahren stehen?
In den nächsten 20 bis 30 Jahren erleben wir den vorläufigen Höhepunkt einer Revolution in der Robotik. Diese Veränderungen durch Automatisierung von immer mehr Lebensbereichen, mit Hilfe von zunehmend autonomen Maschinen, krempeln vieles in der Gesellschaft gewaltig um. Das beginnt schon längst und wird (von links) bisher noch zu wenig verstanden, zu wenig reflektiert – geschweige denn gestaltet. Ich wünsche mir, dass die RLS auf der Höhe der Zeit sein wird.

18. Juni 2015

Video: After the Summer of Snowden

Was folgt auf die Aufdeckung der weltweiten Totalüberwachung?

Videodokumentation der Veranstaltung zum zweiten Jahrestag der Snowden-Enthüllungen mit meinem Gespräch mit Sarah Harrison and Jacob Appelbaum vom 12. Juni 2015 mit anschließendem Screening des mit einem Oscar prämierten Dokumentarfilms CITIZENFOUR über Edward Snowden von Laura Poitras im Berliner Club about blank.

7. Mai 2015

Kleine Bilanz meiner Veranstaltungstour "The Drone Wars - Die Drohnenkriege"

Veranstaltungstournee der Bremer Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Einführung in das Thema Drohnenkriege

Die Drohnenkriege sind Ausdruck einer rasanten Entwicklung: vom „Krieg gegen den Terror“ nach 9/11 zur Kriegsführung der Zukunft. Einer Zukunft, die gelegentlich der Science Fiction zu entstammen scheint, in der Roboter die schmutzigen Kriege der Menschen kämpfen und sich schließlich gegen ihre Schöpfer erheben. Letzteres liegt noch längst nicht im Bereich des Möglichen, aber Wege zur Erschaffung autonomer Kampfroboter werden bereits beschritten. Der Vortrag ordnet das Phänomen des Drohnenkrieges sicherheitspolitisch ein und bietet einen Ausblick auf künftige Entwicklungen. Internationale Institutionen und Normen sowie humanitäre Rechtsordnungen erodieren beschleunigt unter dem Druck der unbemannten und automatisierten Kriegsführung.



Unter der Fragestellung „Vom Krieg gegen den Terror zu den Roboterkriegen der Zukunft?“ finden ganzjährig laufend bundesweit Veranstaltungen mit dem Referenten Norbert Schepers, Politikwissenschaftler und Leiter des Bremer Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS), bei verschiedenen VeranstalterInnen statt, darunter zahlreiche Landesstiftungen der RLS sowie weitere KooperationspartnerInnen. Eine kleine Kampagnen-Website zur Veranstaltungstournee bietet einen Abstract des Vortrages und Texte zu verschiedenen Aspekten des Themas, eine Terminübersicht und nicht zuletzt ein einstündiges Vortrags-Video sowie weiterführende Links, siehe http://norbert.schepers.info/p/the-drone-wars.html.

Das Vortragsangebot »The Drone Wars – Die Drohnenkriege« entstand aus einer ersten, experimentellen Veranstaltung im Rahmen des 2013 neu gestarteten „jour fixe“ der Bremer Rosa-Luxemburg-Stiftung und wurde sogleich von anderen Landesstiftungen angefragt, so dass es als Serviceleistung aus Bremen den anderen Ländern angeboten wurde, und inner- wie außerhalb der RLS-Stiftungsverbundes rege Resonanz fand: Gut zwei Dutzend Termine in etwas mehr als einem Jahr, insgesamt über dreißig. Aus unserer Sicht eine gelungene bundesweite Kooperation und auch ein gutes Beispiel, wie sonst oft als „dröge“ empfundene gesellschaftliche Fragen in Bezug auf Technik und Sicherheitspolitik anschaulich und fesselnd erklärt werden können.

“Let’s kill the people who are trying to kill us”

Das kürzliche Eingeständnis der U.S. Regierung, dass ein Drohnenschlag im Januar auch zwei westliche Geiseln tötete, hat die Kritik an den Drohnenkriegen noch einmal bestärkt: Obwohl die Drohnen als präzise Technologie gepriesen werden, sind die Behörden oft unsicher, wer bei den Angriffen sterben wird. Jede unabhängige Untersuchung bestätigt die verstörende Wahrheit, dass das Versprechen einer “beinahe Gewissheit, dass keine Zivilisten getötet oder verletzt werden” (U.S. Präsident Barack Obama) falsch ist, und dass weit mehr Zivilisten bei den Drohnenangriffen sterben, als bisher zugegegeben wird.
Micah Zenko, a scholar at the Council on Foreign Relations and lead author of a 2013 study of drones, said the president’s statement “highlights what we’ve sort of known: that most individuals killed are not on a kill list, and the government does not know their names.”
Siehe Scott Shane Drone Strikes Reveal Uncomfortable Truth: U.S. Is Often Unsure About Who Will Die (New York Times, 23.04.2015)

Nicht minder verstörend: Die Herkunft der Opfer erst scheint den Nachrichtenwert auszumachen.
Dazu auch Glenn Greenwald: The Key War On Terror Propaganda Tool: Only Western Victims Are Acknowledged (The Intercept, 24.04.2015).





Veranstaltungshinweis:

“Let’s kill the people who are trying to kill us” (Barack Obama)


Der weltweite „Krieg gegen den Terror“ stellt das grundlegende Recht auf Leben in Frage:
Das Beispiel der Drohnenkriege.
Vortrag und Diskussion mit Norbert Schepers

Freitag, 5. Juni 2015, um 18:00 Uhr
Altes Sportamt, Auf dem Peterswerder 44, 28205 Bremen

Eine Veranstaltung
mit anschließendem Konzert im Rahmen des Festival contre le Racisme Bremen, welches 2015 vom 3. bis zum 14. Juni stattfindet. Mehrsprachige Übersetzung wird angeboten.

Wir blicken bald zurück auf 14 Jahre „globalen Krieg gegen den Terror“* der USA und ihrer Verbündeten, welcher auf die Anschläge vom 11. September 2001 folgte. Nur vor diesem Hintergrund erklärt sich die enorme Konjunktur der Drohnenkriege**. Die Tötungseinsätze ferngesteuerter, unbemannter und bewaffneter Drohnen dienen der gezielten Tötung (Targeted Killing) von vermuteten Mitgliedern terroristischer Gruppen. Die Drohnenschläge sind das prägnanteste Gesicht dieses immer weiter eskalierenden und entgrenzten Krieges*** geworden; die militärischen und paramilitärischen Methoden, mit denen gegen Terrorismus gekämpft wird, sind insgesamt heftig umstritten. Der weltweite „Krieg gegen den Terror“ stellt zugleich das grundlegende Recht auf Leben in Frage. Wer stirbt, und warum, wird meistens geheim gehalten. Das Beispiel der Drohnenkriege zeigt auch die weltweite Ungleichheit in der Frage, wer eigentlich Ziel dieser Tötungseinsätze wird, welche Opfer öffentlich anerkannt werden – und welche nicht.